Herbert Neidhöfer, homme de lettres

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Das Projekt

Die Clemens Limbularius Trilogie · ¡Hans Koberlin vive!

HannaH & SesyluS · … du rissest dich denn ein. · Telos


III
Telos
oder
Beiträge zu einer Mythologie des Clemens Limbularius
Fragment

November 2013, ISBN 978-3-941033-19-1, 422 Seiten, 19,90 €

Etliche Jahre nach seinem seltsamen Abenteuer an der Riesel und auch bereits wieder etliche Jahre nach seinem seltsamen Abenteuer mit der Fernsehserie geht es bei Clemens Limbularius nun um nicht weniger als um alles oder nichts … »Sehr merkwürdig schön. Sag Bescheid, wenn es etwas Neues von dem Autor gibt. Und allerherzlichste Grüße in die Domstadt.« – Hier nun ist es, nach HannaH & SesyluS (2007) und nach … du rissest dich denn ein. (2010) das Neue: Das Telosfragment … »Der Autor hat sich auch diesmal wieder die gegen die Schriftsteller gerichteten Vorwürfe, sie würden die ›großen Probleme‹ vernachlässigen, zu Herzen genommen und versucht, hier an einige von ihnen heranzugehen, etwa die des Wohnraums, der manuellen Arbeit, der Ernährung, der Zeit, des Raums, der Natur, der Freizeit, der Sprache, der Ausbildung, der Information, des Ehebruchs, der Zerstörung und der Reproduktion menschlicher und tierischer Gattungen.«

Die drei Abschnitte des dritten Romans Telos befassen sich – ausgehend von der von dem Protagonisten als kritisch erlebten Gegenwart – mit den Konstruktionen seiner Vergangenheit, dann wird die Gegenwart selbst verhandelt und schließlich bricht Clemens in ein neues Leben auf, oder – je nach Lesart –: er nimmt sich vor, in ein neues Leben aufzubrechen.

Während der Arbeit an Telos hat sich eine leichte Modifikation des Stils der ersten beiden Romane als notwendig erwiesen, damit sich das Erzählte in der Erzählung adäquat reflektieren, oder anders gesagt: damit das Erzählte auch Stilmittel des Erzählens sein kann. Die unpersönliche Erzählinstanz tritt expliziter als in den vorherigen Romanen auf (eine Entwicklung, die im Keim bereits im ersten Roman angelegt war und im zweiten Roman forciert wurde) und thematisiert nicht allein Leben und Ansichten des Clemens Limbularius, sondern auch ihre eigene Rolle als Chronist –

»Im Grunde betreiben wir mit unseren Berichten das gleiche wie Clemens, bloß daß Clemens keinen Clemens hatte.«

– es gibt außerdem – kursiv – gelegentliche Stimmen ›von außen‹ und es wird – wie der im Duktus geisteswissenschaftlicher Forschungsberichte gehaltene Untertitel Beiträge zur Mythologie des Clemens Limbularius erwarten läßt – mit Fußnoten gearbeitet, die wiederum in Bezug zu Clemens’ Beschäftigungen stehen. Diese leichte Modifikation machte auch eine leichte Modifikation des Formats notwendig, um die angesammelten Fußnoten bewältigen zu können: statt wie bei den ersten beiden Teilen der Trilogie 110 x 180 mm ist das Format hier 150 x 230 mm.

War das Grundelement des ersten Romans Aktion und das des zweiten Romans Reflexion, so ist es hier die Assoziation. So wie Midas alles, was er in die Hand nahm, zu Gold wurde, so wird der Erzählinstanz alles, was passiert, zum literarischen Stoff, zu Beschreibungen, die sie, die Erzählinstanz, mit den Situationen des Protagonisten und dessen Gedankenkosmos in Verbindung bringt. Der Fluch, zu dem die Gabe Midas schließlich wurde, ist der Erzählinstanz bewußt und wird auch in ihrer Erzählung thematisiert.

Im ersten Teil des dritten Romans – »Anfang« – befindet sich Clemens Limbularius, der sich – wie im zweiten Roman – immer noch als Redakteur einer Fernsehzeitschrift verdingen muß, wie gesagt in einem kritischen Gemüthszustand und reflektiert über dessen mögliche Ursachen und Konditionen, die er unabhängig von der Unwirtlichkeit der Welt meist allein in seinem Gemüth angesiedelt sieht, woraus sich ihm die Notwendigkeit ergibt, seine Vergangenheit zu überdenken (im vierten Roman wird das Thema mit Hans Köberlin erneut aufgenommen). Wir erleben also Clemens bei dem Versuch, sich für eine kurze Weile in einem sentimentalen Regreß Erleichterung zu verschaffen: Clemens besucht die Kreisstadt, die von seinem zwölften bis zu seinem einundzwanzigsten Jahr seine Wirkungsstätte war, hat einige schöne Tage mit Lindsay, einer mysteriösen femme fatale, der im Roman die Funktion eines Katalysators (zum Schlimmen hin) zukommt, er trifft sich mit seinen Kommunarden von früher für ein feuchtfröhliches Wochenende und besucht schließlich den Ort seiner Herkunft.

Im zweiten Teil – »Weg« –, der sich mit der Gegenwart beschäftigt und in dem wir Clemens im Wandel der Jahreszeiten erleben, erfährt man, daß Clemens jetzt in der Hauptstadt lebt und wie er seine Tage, Monate und Jahre verbringt. Eine Reise nach New York wird unternommen, wo er Lindsay wiedertrifft, außerdem ist der Suizid eines engen Freundes zu beklagen.

Der dritte Teil – »Ende« –, der sich mit Clemens’ Zukunft beschäftigt, beginnt mit der Feststellung Clemens’, daß er alt geworden ist. Er begreift sich mehr und mehr als nomadische Existenz, bzw. er begreift, daß unterwegs sein der adäquate äußere Modus zu seinem kritischen inneren Modus ist. Am Ende, nachdem man erfahren hat, was mit Hans Köberlin weiter Schlimmes geschehen ist und das Genre ›persönliche Mythologie‹ einer kritischen Prüfung unterzogen wurde, bricht Clemens zu einer großen Wanderung auf, die ihn über Prag, Wien, Florenz, Rom, Neapel und Palermo nach Catania führen wird, dorthin, wo der Kyklop Felsen nach dem höhnenden Odysseus schleuderte. Der Kreis schließt sich.

So war es zunächst projektiert, doch erwies es sich als notwendig, das Ganze in die Form eines Fragments zu überführen, aber darüber mehr in ¡Hans Koberlin vive!

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